Servus,
die Tage hier gestalten sich nach einem einfachen, aber tollen Rhytmus: Schlafen, in der Früh Fußball schauen, etwas essen, lesen und je nach Tidenhub: Fischen! So ist es interessant zu sehen, wie nur in wenigen Tagen unser gewohntes Modell von „Uhr-Zeit“ teilweise abgelöst wird von „Natur-Zeit“, der Tagesablauf sich also nach Faktoren orientiert, die nicht in unserer Macht stehen und sich auch täglich ändern. So ist das einzig fixe im Moment das Fußballspiel um 6 Uhr Früh – lustig, wie schnell man sich an so etwas gewöhnt!
Mein Erfolg als Fischer kann sich durchaus sehen lassen: So habe ich in den letzten Tagen mindestens einen Fisch pro Tag „an Land gezogen“, was ganz gut in das Spannungsfeld zwischen meine Erwartungen und Fähigkeiten als Fischer passt.

Der von uns allen gefangene Fisch (und das ist gar nicht so wenig bei 5 Personen) muss natürlich auch weiterverarbeitet werden – 3 sind pro Person und Tag erlaubt. Nunja, wir haben nun nicht jeden Tag 15 Fische zum Verarbeiten, aber es laeppert sich doch ganz schoen was zusammen. Da wir ja nicht zum ersten Mal als Familie hier sei duerfen, hat schon jeder ein wenig Routine in seiner Rolle, wenn es um die Weiterverarbeitung geht.
Nach dem Fangen werden die Fische meist noch vor Ort ausgenommen. Danach wird abends auf der Terrasse vor dem Haus das Filettiermesser angesetzt und der Fisch von den fuer uns unwesentlichen Bestandteilen getrennt.

Ganz wichtig bei der Weiterverarbeitung von Fisch: Es ist strengstens verboten, Fischabfaelle in den Hausmuell zu geben oder sonst irgendwelche Reste von Fisch um das Haus zu lagern. Dies hat den Sinn, dass Bären nicht nachts die Siedlung heimsuchen. Unsere Nachbarin, die heute Früh bei uns zu Gast war, hat uns geschildert, wie ein Bär vor einigen Monaten eine große Tiefkühltruhe aufgebrochen hat, welche sie vor ihrem Haus deponiert gehabt hatte – die einzige saubere Methode, die Fischabfälle los zu werden ist also das Vorwerfen eben jener an die lokale Fauna. Diese besteht haupsächlich aus Weisskopfadlern und Raben, wobei erstere in der Regel die Sieger bei der Verteilung sind.
Es ist wirklich ein Schauspiel, wenn die Vögel schon während der Verarbeitung um das Haus herum lauern und dann schlussendlich zuschlagen, sobald es etwas zu fressen gibt.
Im nächsten Schritt werden die grob herausgeschnittenen Filets dann nochmals feiner zurecht geschnitten und die größten Gräten entfernt.


Bei aller Wichtigkeit der eigentlichen Fischverarbeitung darf aber natürlich auch die Supervision nicht zu kurz kommen: So überwacht der Financier und Fischerei-Hauptverantwortliche die Arbeit mit milder, aber zielorientierter Aufseherei (leider kein Bild vorhanden).
Am Ende des Prozesses steht mein Part: Das Vakuumieren. Nunja, wenn es auch nicht gerade der schwierigste Teil der Arbeit sein mag, so ist er doch für den gelungenen Transport des Fisches wichtig, damit er die lange Reise in die Heimat gut übersteht. Für Interessierte sei hier erwähnt, dass man bis zu 20 kg Fisch in die europäische Union einführen darf.

Ganz an Ende stehen natürlich der fertige Fisch und die Verfütterung der Reste an die Vögel – beides schön!


Die Filets oben sind übrigens eine Tagesausbeute – es gibt also genug zu tun…
Alsdann,
read you!
G
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