Ivanovo

Haben uns gestern um so 1300 auf gemacht in Richtung Ivanovo, das ca. 40 Minuten mit dem Auto von Shuya entfernt ist. Tom (mein Mitbewohner aus Salzburg hier, der im Rahmen seines Studiums hier für 6 Monate weilt und für die gleiche Firma arbeitet) und ich warteten also geduldig auf die Ankuft des Shuya Taxis, welches uns dorthin bringen sollte.

Nach der der Taxifahrt schlendern wir ein wenig durch die Stadt, die auch heute noch für ihre Textilindustrie bekannt ist und indirekt deshalb auch „City of brides“ genannt wurde, da aus dem ganzen Land weibliche Textilarbeiter nach Ivanovo kamen, um dort Arbeit zu finden.

Das Zentrum der Stadt macht einen recht netten Eindruck. Für mich immer noch bizarr ist der Umgang mit dem gescheiterten System des Kommunismus, sogar von der Universität lacht eine frisch gestrichene Kombination von Hammer und Sichel. Finde diese Symbole an sich nicht übermäßig schlimm, sie waren ja einmal Teil des öffentlichen Lebens, doch fällt es mir schwer zu verstehen, warum man sich nach fast 20 Jahren nicht von solchen Symbolen löst und vorwärts schaut.

Universitätsgebäude in Ivanovo

Wir machten eine Runde durch die Stadt, da wir auch einkaufen wollten um uns abends etwas feines zu kochen. Also ab in die Silberstadt, einem Einkaufszentrum nach westlichem Stil, inklusive kleinem Forum mit Bühne. Auf drei Stockwerken findet sich alles, was das Konsumentenherz begehrt, speziell Elektronikgeschäfte scheinen sehr beliebt. Was ich mich während unseres ganzen Bummels fragte: Wer solch sich all diese Dinge kaufen? Elektronik kostet gleich viel, teilweise sogar deutlich mehr als in der Heimat, doch die Löhne in Russland sind ja immer noch ein Stück niedriger als in Westeuropa. Auch wenn sich ein Mittelstand entwickelt, bleibt die Frage bestehen. Auch, weil es soviele Geschäfte dort gab und mir kein Leerstehendes aufgefallen ist.

Im Spielzeuggeschäft gibt es auch viel zu entdecken, zum Beispiel die Legoimitationen, welche sich thematisch mit der roten Armee auseinandersetzen.

Russisches Spielzeug

Russisches Spielzeug

Lustig ist auch die Art und Weise, wie man in Russland Stiegen baut. Ja, Stiegen. Ich habe das System noch nicht ganz durchschaut, vielleicht gibt es einen tieferen Sinn, die erste und die letzte Stufe immer variabel zu gestalten, ich habe ihn noch nicht gefunden. Interessant ist die Systematik, die darin liegt: Auffällig viele Stufen bieten ein solches Feature, was besondere Aufmerksamkeit beim Treppensteigen verlangt…

Gib Acht beim Stiegensteigen!

Gib Acht beim Stiegensteigen!

Nach der Silberstadt dann noch in einen großen Supermarkt, um fürs Abendessen einzukaufen, wobei auch hier wieder die unglaublich große Auswahl an Alkohol ins Auge sticht, die wirklich keine Wünsche offen lässt, allein schon die vorhandene Auswahl an Wodka würde anderswo ein ganzes Geschäft füllen. Auffällig günstig sind hier Fischprodukte, was sich natürlich gut trifft! Ein halbes kilo mittelgroßer Scampi ist hier schon für 5-6 Euro zu haben, auch Lachs ist nicht teuer.

Ich liess mich zum Kauf einer 1,5 Liter Plastik-Bierflasche hinreissen, was von Peter (der auch im Haus wohnt und für die Firma arbeitet) zuhause dann mit einem „Bier aus Plastikflaschen, seids jetzt  wahnsinnig?“ quittiert wurde. Die Qualität des Biers gibt ihm im Nachhinein recht.

Dann ab nach Hause, um unser Abendessen zu machen, was auch ausgezeichnet geschmeckt hat. Glücklicherweise habe ich in dem Supermarkt auch frische Chillies gefunden, welche in nächster Zeit wohl meine Mahlzeiten abrunden werden…

Morgen gehts wieder bis Mitte der Woche nach Moskau,

also,

so long,

G

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