Nachdem wir am Donnerstag einen Kundenbesuch absolviert hatten, machten wir uns auf den Weg in unser Hotel. Das Hotel ALPHA ist eines von vier Hotels (Hm, wie heissen wohl die anderen drei..?), welches ursprünglich als Herberge für die Gäste der Olympischen Spiele 1980 gebaut wurde. Jedes der vier Gebäude ist einfach nur riesig (siehe Fotos) und die Rezeptionen sind ganz in einem Mix von modern-renoviertem mit richtig alter Soviet-Architektur. Wie man sich denken kann, waren diese Hotels mal das Aushängeschild gegenüber Ausländern – dank einigen Renovierungen sind die Zimmer heute auch noch ganz schön – und es gibt wirklich viele Zimmer…
Am nächsten Morgen dann zog ich in meine Jugendherberge um, während Alexander sich wieder auf die Rückfahrt machte. Jugendherberge sollte hier erklärt werden: Es handelte sich einfach um eine Wohnung, in der sich 3 Schlafzimmer mit vier oder acht Betten befanden. Dazu ein Bad und eine Küche, welche gleichzeitig als Aufenthaltsraum bzw. Rezeption diente. Voll belegt schlafen ca. 16 – 18 Leute in der Wohnung, was überraschend gut funktioniert! Die Betreiber waren stets um Sauberkeit bemüht – auch wenn es nicht immer ganz einfach war, den jeweils Diensthabenden zu „finden“, da diese oft in irgendwelchen Betten bzw. im Wintergarten lagen um zu schlafen. Nachdem ich bezahlt und mein Gepäck abgegeben hatte, machte ich mich auch schon auf den Weg in die Stadt, mein erstes Ziel sollte der Kreml sein.
Angekommen wollte ich nicht nur für das Besuchen des Kremls selbst sondern auch gleich für die „Armoury“ eine Karte lösen, in der unglaubliche Schätze an Juwelen und anderen Kostbarkeiten zu sehen sind, welche Russland und die orthodoxe Kirche im Laufe der Zeit zusammengetragen haben. Die Armoury sollte mir nach drei Versuchen am gleichen Tag verwährt bleiben, da ich
- zu früh war
- beim zweiten Mal angeblich an der falschen Kassa war
- beim dritten Mal keine der limitierten Karten mehr bekam (Die Dame die ich höflicherweise am Eingang vorgelassen hatte aber schon…)
Also streifte ich durch dieses Zentrum der Macht – es ist wirklich unglaublich, wie präsent Geschichte an diesem Ort ist – dort der rote Platz, da der aktuelle Sitz des Präsidenten. Nachdem ich mich auf den Weg zur Arbat gemacht hatte (einer 1,2 km langen Fußgängerzone, welche in früheren Zeiten für ihr reges Kulturleben bekannt war), fiel mir wieder einmal auf, wie feindlich diese Stadt und ihre Planung doch gegenüber Fußgängern und Radfahrern ist – bei der Beobachtung letzterer behaupte ich jedenfalls einen neuen Negativrekord gesehen zu haben… Umso beeindruckernder sind dafür die Metrostationen, welche wirklich ein Denkmal der Arbeiter sind, wie sie sich ihr geistiger Vater Stalin wohl vorgestellt haben muss. Aus dem ganzen Land wurde der Marmor zusammengetragen und die besten Künstler der Zeit engagiert, um den Stationen ihren einzigartigen Charakter zu geben.
Abends dann zurück in die Herberge, wo sich inzwischen ein paar nette Leute eingefunden hatten, mit denen ich den Abend verbrachte und interessante Gespräche führte.
Am nächsten Tag dann so um 11 mit Begleitung (Jakob aus Dänemark, der mit der TransSib bis nach Moskau gekommen war) auf zu Lenin – so touristisch es auch anmuten mag, ich möchte den Besuch des Mausoleums im Nahhinein nicht missen – man begibt sich ins Innere, wo es stockdunkel ist und in allen Ecken Wachen stehen, die Mahnend den Zeigefinger gegen ihre im blauen Licht schimmernden Lippen pressen, um die Würde des Orts zu wahren. So stolpert man die putzdunklen Stiegen hinunter, wo man dann auf einem leicht erhöhten, U-förmigen Podest um Lenin herumgeht – ein wirklich unheimlicher Ort, in gewisser Weise auch beeindruckend.
Danach gings auf ins Museum der Streitkräfte – nicht unbedingt ein besonders starker Anziehungspunkt (weder für Touristen, noch für Russen), wir hatten das von Pensionisten betreute Museum quasi für uns, es waren nur sehr wenige (durchwegs russische) andere Besucher vor Ort. Das Museum beschäftigt sich zu guten 3/4 mit dem großen patriotischen Krieg (WW II) und seinem bekannten Ausgang. Doch man findet auch (wenige) andere Exponate wie die in den 60ern abgeschossene U2 oder ein Wrackteil der Kursk, deren Mannschaft gedacht wird. Im Park vor dem Museum findet sich so ziemlich alles, was die rote Armee seit dem zweiten Weltrkrieg alles in der Luft oder am Boden hatte, von Fliegern über Hubschraubern bis zu gepanzerten Zügen konnte wirklich alles betrachtet werden. Das Zentrum der Ausstellung aber bildet ein Raum, in dessen Mitte altargleich angeblich die Flagge aufbewahrt wird, welche nach dem Einmarsch der roten Armee über dem Reichstag gehisst wurde, diese hier:
Dazu noch alles, was man sich an Kriegsbeute (nicht) vorstellen kann – so interessant das Museum auch ist, nach einer 1,5 Stunden Krieg, Leid und Propaganda ist der Bedarf erst mal gedeckt. Kaum zu glauben, dass es in Moskau noch ein anderes Museum gibt, welches lt. Reiseführer umfangreicher ist und sich NUR mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigt.
Danach schlenderten wir sichtlich geschafft noch ein wenig durch die Stadt (zwangsweise, das Museum befand sich nicht wirklich im Zentrum…), bevor wir uns abends wieder in die Jugendherberge begaben um das Gesehene zu besprechen und uns mit den anderen auszutauschen – bei ein paar Bier klang der Tag gemütlich aus.
Am nächsten Tag dann morgens ab nach Shuya…
Was bleibt also für ein Eindruck von dieser Stadt? Alles in allem ein positiver – man atmet die Geschichte förmlich, auch wenn die Stadt touristisch – ganz im Gegenteil zu St. Petersburg, wo man nach Hammer und Sichel fast schon suchen muss – eher auf die Sovietvergangenheit abzielt, und das nicht zu knapp. Um den roten Platz herum bieten die bizarrsten Gestalten ihre Dienste an – unter ihnen Schauspieler, welche sich als Stalin, Breschnew oder Lenin verkleiden und mit denen man gegen geringes Entgelt ein paar Fotos schiessen kann.
Extrem auffällig sind auch die vielen Hochzeiten, welche im Sommer wochenends in der Stadt stattfinden – habe wahrscheinlich noch die so viele Stretchlimousinen und Fotographen an einem Wochende gesehen! Netter Brauch: Auf einer Brücke nahe des Kremls werden auf Drahtbäumen Vorhängeschlösser von den frisch verheirateten aufgehängt, um ihre Verbindung zu besiegeln. Auch eine russische Eigenheit: Ehepaare legen stets Blumen an Kriegerdenkmälern nieder, um die Ahnen zu ehren. Ausgesuchte Paare dürfen dies auch am Grab des unbekannten Soldaten tun, stündlich nach der Wachablöse, welche äußerst schneidig vor sich geht…
Read you,
g
Abgelegt unter : Russland 08


























































































servus grex, also das mit den schlössern gibts in rom auch, aber mir fällt der name nicht ein…
Wann kommst du jetzt nach hause, bin nämlich bis di den 19. in TRIOL
Gruß Simon